Donnerstag, 12. Januar 2006

Habsucht I

Mit Geschenken war ich dieses Jahr zum Leidwesen aller Betroffenen wieder kritisch: Ich habe mir eine Unterstützung zum Kauf eines E-Pianos gewünscht. E deshalb, weil ich nach 12 Jahren spielen auf einem akustischen Piano klein beigegeben habe. Das Piano wurde verkauft, da es im elterlichen Wohnzimmer nicht mehr erwünscht und in mein Studentenzimmer beim besten Willen nicht hineingepasst hat. Jetzt spiele ich seit bald 10 Jahren mit dem Gedanken, mir wieder eins anzuschaffen. Da ich mein junges Eheglück nicht riskieren möchte, muss ich an das Piano Kopfhörer anschließen können. Um Herrn W. zu zermürben kann ich immer noch die Stereoanlage anschließen. Meine Mutter hat sich im Vorhinein nicht erkundigt, was ich mir wünsche, sondern aus Spanien einen Rock und Schmuck mitgebracht. Ich möchte gar nicht wissen, was der Rock gekostet hat, denn er passt nicht. Zwar habe ich neulich freudestrahlend verkündet, mir würde wieder Kleidergröße 42 passen, dass sich das hauptsächlich auf nordeuropäische Textilwarenhersteller bezieht, habe ich verschwiegen. Jetzt sitze ich da mit einem topmodischen Rock im HippieGypsy-Style aus einer Art Brokatpatchwork. Und ratet was: Ich krieg´s nicht über´s Herz ihr zu sagen, dass ich den Rock das hässlichste finde, was sie mir je geschenkt hat. Und da ist das weiße Stretchtop mit den Federn an den Trägern in Höhe der Schultern mit eingerechnet. Letzteres habe ich genau einmal getragen: An einer Mottoparty zum Thema Meer, als ich mich als Möwe verkleidet habe. Auch sehr beliebt: mein ärmelloses Oberteil aus goldenen Perlen und Pailletten, das jeden Gladiator neidisch gemacht hätte. Jetzt ist der Rock nicht nur schlimm, er passt auch nicht. Erst dachte ich, es läge nur an dem sehr engen Unterrock. Den habe ich aufgetrennt. Das Problem ist, dass mein Hintern zu üppig und meine Beine zu kräftig und zu lang für diesen Rock sind. Um die Hüfte sollte er eng sitzen und dann in Höhe der Oberschenkel in fünf Stufen bis zu den Knöcheln fallen. Der enge Teil für die Hüfte würde gerade mal auf die Taille passen, so dass die Stufen des Rockes genau am Hintern anfangen, und Rüschen am Arsch sehen definitiv nicht gut aus. Selbst wenn ich über Nacht nochmal 15 Kilo verlieren würde, säße der Rock vielleicht obenherum richtig, aber er wäre das Pendant zu Hochwasserhosen: Genau die falsche Länge. Außerdem ist um die Hüfte ein Band mit Metallmünzen genäht, die einen beim Gehen klimpern lassen wie eine indische Tempeltänzerin. Genau mein Stil. Selbst wenn mir der Rock gefallen würde: Ich müsste mir passende Schuhe und passende Oberteile kaufen. Immerhin ein Zeichen in Richtung passgenaues Geschenk war die Bemerkung, dass ich doch viel braun tragen würde. Stimmt sogar. Ich habe eine schokoladenbraune Jacke mit Reißverschluss aus Sweatshirtstoff und zwei hellbraune Strickpullis. Passen super zu einem Ethnobrokatrock. Ich muss mich emanzipieren und den Rock zurück geben. Denn eins ist sicher: ihr gefällt er. Und der nächste Geburtstag kommt bestimmt.

xml version of this page
xml version of this page (with comments)

Archiv

Januar 2006
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 3 
 5 
 7 
 8 
 9 
11
13
14
16
19
20
21
24
28
29
 
 
 
 
 
 

Aktuelle Beiträge

Stadtwurst
Eine Stadtwurst ist immer ein Gewinn!
Stefan (Gast) - 31. Mai, 22:42
Yay!
Fans! ;-) Neuer Computer, neues Glück oder so!
N. - 23. Nov, 15:07
Ja, schreib wieder!
Deine "alten" Leser sind Dir treu.
Peter (Gast) - 22. Nov, 13:10

Mein Lesestoff


Lew Tolstoi
Anna Karenina

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 4749 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 31. Mai, 23:22